Zwei Hidden Champions im Gespräch

Die Teilnehmer der Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden konnten anschließend gleich mit zwei Gründern von Unternehmen, die Weltmarktführer sind, ins Gespräch kommen:

Natalia Kasperskaya, Mitbegründerin des weltbekannten Softwareentwicklers ZAO Kaspersky Lab., und eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Russlands, diskutierte mit den Teilnehmern, wie die Innovationsfähigkeit von Unternehmen gefördert werden kann. Kasperskaya, die auch Mitglied der präsidialen Kommission für Modernisierung ist, stellte die zahlreichen staatlichen Fördermöglichkeiten für Innovationen in Russland dar. Hierbei räumte sie ein, dass diese Zuschüsse leider noch zu unbekannt seien und noch stärker bei den Unternehmen beworben werden müssten.

Neben der finanziellen Unterstützung durch den Staat sei aber vor allem Unternehmergeist für den Innovationsprozess notwendig. „Uns fehlt hier das letzte Quäntchen. Solche Leute muss man erziehen“, sagte Kasperskaya. Die Unternehmerin machte deutlich, dass dies eine große Herausforderung ist und noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. „Man kann nicht erwarten, dass man mit einem kleinen Schritt über eine breite Schlucht kommt.“

Dr.-Ing. E. h. Martin Herrenknecht, Vorsitzender des Vorstands der Herrenknecht AG als mittelständischer Weltmarktführer in der Tunnelvortriebstechnik, ergänzte, dass Innovationen nur mit hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitern möglich seien. „Russland hat tolle Ingenieure“, so der Unternehmensgründer, der bereits seit 1986 in Russland aktiv ist. Um dieses Innovationspotential richtig nutzen zu können, sei es wichtig, die Bürokratie in Russland deutlich zu reduzieren. Nur dadurch gelänge es, einen innovativen Mittelstand in Russland zu etablieren.

Ein weiterer Hemmschuh für den Innovationsprozess in Russland seien die bestehenden Visa-Bestimmungen zwischen Russland und der Europäischen Union. „Wir müssen die Visa-Pflicht überwinden“, forderte Herrenknecht und unterstützte damit die Bemühungen des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, der sich für konkrete Fristen für die Abschaffung der Visa-Pflicht zwischen der EU und den osteuropäischen Nachbarstaaten einsetzt.