Zukunft der Kapitalmärkte

Mit großer Offenheit gab Dr. Tessen von Heydebreck, ehemaliger Vorstand der Deutschen Bank AG und nunmehr Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung, zu Beginn des Panels ein deutliches Statement ab: „Die Finanzmarktkrise hat einen unendlichen Reformbedarf offenbart – nicht nur Kosmetik, sondern wahre Reformen sind nötig.“ Die Stärkung des Risikomanagements und der Kernkapitalquote der Banken seien daher dringend notwendige Schritte gewesen. Zentrales Ziel sei es, Schritt für Schritt zu einer einheitlichen Regulierung der Finanzwirtschaft zu kommen.

Vladimir P. Matvejev, Leiter der Deutschland-Repräsentanz der OAO Sberbank, ergänzte, dass sich einzelne Volkswirtschaften den Tendenzen globaler Regulierung nicht ernsthaft entgegenstellen könnten. „Die Entwicklung eines normativen Rahmens für die Finanzwirtschaft ist für die russische Regierung ein gesetztes Ziel.“ Hier hofft der Vertreter der größten Bank Osteuropas auf die Mithilfe der europäischen Partner.

Von Heydebreck ist sich sicher: „Auch wenn die Krise zu einer kurzfristigen Verzögerung geführt hat, werden die Finanzzentren der Schwellenländer in die TOP-Liga aufsteigen.“ Die Bildung einer höheren Eigenkapitalquote falle Banken auf dynamischen Wachstumsmärkten deutlich leichter als auf gesättigten Märkten. Die Finanzmarktkrise habe daher die Bedeutung der Emerging Markets gegenüber den etablierten Industrieländern weiter steigen lassen. „Die Finanzmarktkrise hat Schwellenländer auf der politischen und wirtschaftlichen Landkarte endgültig etabliert“, resümierte von Heydebreck. Bereits heute stammten sechs der 50 umsatzstärksten Unternehmen aus den Schwellenländern.

Ob Moskau zu einem Weltfinanzzentrum werde, lasse sich momentan nicht seriös abschätzen, führte Matvejev aus. „In der Welt ist nicht allzu viel Platz für wichtige Finanzzentren“, gab von Heydebreck zu bedenken und schloss seinen Redebeitrag mit Verweis auf das in Deutschland bekannt Gorbatschow-Zitat „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Die Entwicklung eines Finanzzentrums in Moskau sei in jedem Fall abhängig vom Aufbau einer leistungsstarken Infrastruktur und eines wirksamen Regulierungsrahmens.