Eröffnungsabend der 2. Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden

Die 2. Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden begannen am Montag, den 12. Oktober mit einem festlichen Abendempfang im KurhausCasino in Baden-Baden. Die Seminarteilnehmer – 25 junge Führungskräfte aus Russland und Deutschland – wurden von den Botschaftern beider Länder, Vladimir Kotenev und Dr. Walter Jürgen Schmid, dem Oberbürgermeister von Baden-Baden, Wolfgang Gerstner, sowie von Vertretern der drei beteiligten Veranstalter Robert Bosch Stiftung, BMW Stiftung Herbert Quandt und Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft begrüßt.

Für die Robert Bosch Stiftung nahm der Kuratoriumsvorsitzende Dr. Kurt Liedtke das diesjährige Seminarmotto „Innovationen als Weg aus der Krise?“ zum Anlass, den Blick der Teilnehmer auf gemeinsame Herausforderungen zu richten. „Für beide Länder gilt: schwere See, aber vermutlich Land in Sicht.“ Als richtige Konsequenz aus der Wirtschaftskrise müsse nun konsequent in Ausbildung und Innovationen investiert werden. „Bildung muss jetzt zweifellos ganz oben auf der Agenda stehen.“

Stefan Quandt, Mitglied im Kuratorium der BMW Stiftung Herbert Quandt, ermutigte die Teilnehmer in den Gesprächen, das Gemeinsame zwischen beiden Länder zu suchen, ohne die Eigenheiten beider Kulturen aus dem Blick zu verlieren. Kontroverse Diskussionen seien dabei durchaus erlaubt. Die Gespräche in Baden-Baden böten für jeden Teilnehmer die Möglichkeit, sich selbst noch einmal zu überprüfen: „Nutzen Sie die Gelegenheit, ihre Führungsphilosophie vorzustellen und zu diskutieren.“

Dass der Nordschwarzwald ein gutes Pflaster sei, um neue Gedanken zu entwickeln, daran erinnerte Prof. Dr. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. 1857 hätten sich im Kurort Bad Wildbad, unweit von Baden-Baden, russische Adlige getroffen, um Wege zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland zu finden. Der Reformversuch im Kleinen habe 1861 zur allgemeinen Abschaffung der Leibeigenschaft und zu einem großen gesellschaftlichen Aufbruch in Russland geführt. „Reform, Mut und Vertrauen“, in diesem Geiste sollten die Teilnehmer die Tage in Baden-Baden verbringen, so Lindner.

Prof. Dr. Igor Yurgens, Gastredner des Eröffnungsabends, knüpfte nahtlos an diese Überlegung an, indem er in seinem Vortrag über die Lehren aus der Wirtschaftskrise für Russland ein völlig neues Denken forderte. Bislang sei Russlands Wirtschaft zu sehr vom Rohstoffexport abhängig und durch eine staatliche „Steuerung von Hand“ geprägt, kritisierte der Vorstandsvorsitzende des Instituts für moderne Entwicklung in Moskau, der als wichtiger Berater des Präsidenten, Dmitri Medwedew, in Wirtschaftsfragen gilt. Die „Brände“ in der russischen Wirtschaft würden derzeit mit staatlichem Geld „gelöscht“, nötig sei aber ein generelles Umdenken und eine Stärkung der marktwirtschaftlichen Institutionen in Russland. Yurgens forderte „die Schrumpfung des staatlichen Sektors, die Ausweitung des Wettbewerbs und die Reformierung von Monopolen.“ Noch gebe es in der russischen Gesellschaft einflussreiche Kreise, die vom alten System profitiert hätten, sich von kurzfristigen Interessen leiten ließen und keine Entwicklung wollten. Diese hätten sich beispielsweise auch gegen den russischen WTO-Beitritt ausgesprochen, obwohl dieser die beste Basis für die Entwicklung einer Wissensgesellschaft in Russland sei. „Die Modernisierung muss in das Interessenfeld aller Eliten in Russland rücken“, forderte Yurgens, sonst drohe Russland die internationale Zweitrangigkeit. Gebraucht werde jetzt der politische Wille zur Veränderung. Und mit Blick auf die russischen Seminarteilnehmer in Baden-Baden forderte Yurgens: „Das müssen die jungen Russen tun, die hier sind.“