Thema: Medienberichterstattung

Wer in Deutschland die Zeitungen aufschlägt, muss immer wieder feststellen, dass die Nachrichten aus Russland tendenziell negativ gefärbt sind. Es dominieren Klischees und ein bedrohliches Russlandbild, das sich seit dem Ende des Kalten Krieges nur wenig verändert hat. Unternehmer hingegen sind von den Chancen des russischen Marktes begeistert. Sie preisen Investitionen in Russland und schwärmen von den Renditen. Die Wahrnehmungen über Russland in Deutschland klaffen also weit auseinander.

Die Kritik deutscher und russischer Unternehmer an der Negativ-Berichterstattung teilen überraschenderweise auch Journalisten. Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteur des „Stern“, und Dimitri Tultschinski, Deutschlandkorrespondent der russischen Nachrichtenagentur „RIA Novosti“, erläuterten die tendenziöse Berichterstattung während des Georgien-Konfliktes. Dabei fiel auf, dass Russland zu Beginn einseitig negativ als „Riesenreich, das seinen kleinen Nachbarn in die Mangel nimmt“ dargestellt wurde. Erst nach sorgfältiger Recherche einiger Medien habe sich das Bild verändert und seien auch die Provokationen auf georgischer Seite berücksichtigt worden.

Jörges erläuterte die tiefer liegenden Ursachen für die Haltung seiner Zunft: „Das Urteil über Russland ist abgeleitet von der negativen Unabhängigkeit der russischen Medien.“