Deutsch-Russische Gespräche Baden-Baden | Германо-Российские беседы в Баден-Бадене

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DRGBB Gespräche 2019 | Wirtschaft und Gesellschaft: Künstliche Intelligenz – Chancen und Herausforderungen der technologischen Revolution – 7. Oktober, Teil 12019-11-14T10:12:13+01:00

Künstliche Intelligenz – Chancen und Risiken der technologischen Revolution

Wenn wir über KI sprechen, so muss klar sein, dass wir über eine grundlegende Revolution sprechen, die jeden Aspekt unseres Lebens zunehmend beeinflussen wird, so Benjamin Wilkening, der Moderator der Diskussionsrunde zur KI- Chancen und Risiken der technologischen Revolution.

Jonas Andrulis, Gründer und CEO von Aleph Alpha, einer Firma, die skalierende KI Sicherheitssysteme herstellt, baut in Berlin Adlershof einen KI Park für Unternehmen und Forschung im Bereich der künstlichen Intelligenz auf, über den auch Rechenleistung zur Verfügung gestellt werden soll.

Auf technischer Ebene vollzieht sich laut J. Andrulis ein Wandel von Expertensystemen zu der Entwicklung von selbstlernenden Systemen. Bei den Expertensystemen werden Aktionen von einem Menschen programmiert. Selbstfahrende Autos sind zum Beispiel so programmiert, dass sie anhalten, wenn ein Sensor eine rote Ampel erkennt. KI-Systeme sind hingegen breiter aufgestellt und können Zusammenhänge selbst erkennen. Diese neuen Systeme kommen mitunter zu Ergebnissen, die wir nicht verstehen, und haben somit die Fähigkeit, uns zu überraschen.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass künstliche Intelligenz große Rechenleitungen benötigt, die sich bisher nur wenige private Akteure, wie z.B. Google, Microsoft, leisten können. Der Rest der Gesellschaft wird zu Konsumenten, die Systeme mit Daten befüllen. Eine Herausforderung ist hier insbesondere die Komplexität der KI-Modelle, die sie anfällig für Angriffe machen. Die Sicherheit der KI-Systeme ist damit von zentraler Bedeutung. Das wird besonders klar, wenn man sich beispielsweise die Anwendungsbereiche wie autonomes Fahren, Robotics oder innerhalb des Militärs anschaut: Sollte es gelingen, Sicherheit zu garantieren, dann kann KI durch seine Anwendung in der Kriegsführung und bei autonomen Waffensystemen die Welt insgesamt sicherer machen.

Ähnlich wie das Internet hat KI enormes Potential ganze Industrien zu verändern. Denn anders als bei Themen wie „Virtual Reality“ oder „3D Television“, handelt es sich hierbei nicht um eine punktuelle technologische Innovation, sondern eine systemische, in der KI am Ende eine verstärkte Rolle spielen wird. Doch auch wenn es KI-Modelle schon seit geraumer Zeit gibt, stehen wir immer noch ganz am Anfang.

Ruslan Zaydullin, Co-Founder und CEO von Doc+, der meistverbreiteten Gesundheitsapp in Russland, hat in seinem Unternehmen eine eigene KI-Abteilung eingerichtet. Er verdeutlichte, dass es besonders im Gesundheitssektor noch viel Entwicklungsbedarf und -potential im Bereich Digitalisierung gibt. Durch die systematische Anwendung von neuen Technologien wie künstliche Intelligenz, könnten medizinische Ergebnisse signifikant verbessert werden. Länder wie die USA und China haben dies bereits erkannt und investieren mehr als alle anderen Länder zusammen in die Technologieentwicklung. Europa hinkt auf Grund seiner unterschiedlichen Gesundheits- und Zertifizierungssysteme hinterher. Dies macht die geplante Expansion von Unternehmen wie Doc+ nach Europa schwierig und auch der schlechte Ruf russischer Technologien im Ausland ist ein Hindernis. Aber auch die Expansion in Russland selbst gestaltet sich schwierig, da 95% des Sektors öffentlich ist und es keine Gelder für Innovationen gibt. Herr Zaydullin erklärt am Beispiel der Radiologie, dass KI besser als Ärzte bei der Erkennung von Tumoren ist, aber die Ärzte deswegen nicht ersetzt, sondern ihre Leistungen ergänzt. Denn erst im Zusammenspiel von Menschen und Maschine kommen wir zu besseren Behandlungen und medizinische Berufe werden sich darauf einstellen müssen. Über kurz oder lang wird aber das Vertrauen in die Technologien auch in diesen Bereichen zunehmen.

Zaydullin betonte außerdem, dass es noch lange dauern wird, bis der menschliche Körper vollständig durch mathematische Modelle digitalisiert werden kann. Fragen zur Datensicherheit und Privatsphäre seien hier unproblematisch, da zur Kodifizierung anonymisierte Datensätze ausreichend wären.

Abschließend sprach sich Herr Zaydullin für eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Europa und Russland aus, um den Anschluss an China und die USA im Gesundheitsbereich nicht zu verlieren.