Digitale Innovationen in der Social-Start-up-Szene in Deutschland und Russland

Digitale Innovationen in der Social-Start-up-Szene in Deutschland und Russland

In der zweiten Seminareinheit des Tages stellten Igor Elchin, Mentor für Crowdfunding bei Planeta.ru und Vincent Zimmer, Geschäftsführer von Kiron, erfolgreiche soziale Internet-Projekte vor. Vincent Zimmers Start-up Kiron hat eine Ausbildungsplattform für Flüchtlinge aufgebaut. Geflüchtete Akademiker werden mit Hilfe von zertifizierten Online-Kursen in ihrer jeweiligen Sprache weitergebildet und haben dann nach Abschluss des Kurses die Chance, in ihrer neuen Heimat an lokalen Universitäten integriert zu werden. „Wir bringen Universitäten gute Studenten und schaffen gleichzeitig einen Talentpool für Unternehmen“, erklärte Zimmer. Kiron sei innerhalb kürzester Zeit auf 100 Mitarbeiter gewachsen, habe 20 Millionen Euro für das Projekt gesammelt und betreue derzeit 3000 Studenten über das Programm. „Wir wollen in nächster Zeit auf 50.000 kommen und größter Ausbildungsanbieter in Deutschland werden.“ Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei dabei die Nutzung künstlicher Intelligenz zur Beantwortung individueller Fragen der Teilnehmer, um die administrativen Kosten möglichst niedrig zu halten. Das System lerne mit jeder Frage, die gestellt werde, immer weiter dazu.

Igor Elchins Arbeitgeber Planeta.ru ist die erste und heute führende Crowdfunding-Plattform in Russland. Im Jahr 2017 nahm die Plattform bereits Spenden von rund 700 Millionen Rubel (10 Millionen Euro) ein, das Dreifache des Wertes von 2016. Derzeit würden auf der Plattform mehr als 2.500 Projekte vorgestellt. „Jedes dritte Projekte, das Planeta.ru gestartet hat, hatte Erfolg“, sagte Elchin.

Bemerkenswert sei der Erfolg auch deshalb, weil in Russland bis heute eine vernünftige Rechtsgrundlage für das Crowdfunding fehle. „Alle Einnahmen werden als Gewinn besteuert“, kritisierte der Internet-Pionier. Die Plattform finanziere sich durch kleine Anteile an den gespendeten Summen: Zehn Prozent des Spendenvolumens werde bei Eingang von 100 Prozent der notwendigen Summe in Rechnung gestellt. 15 Prozent seien es, wenn ein Projekt zu 50 bis 99 Prozent finanziert werden könne. Wer weniger als 50 Prozent des geplanten Betrags über das Crowdfunding einnehme, müsse überhaupt keine Gebühr zahlen.

Projekte würden auf Herz und Nieren geprüft, ehe sie online gingen, betonte Elchin. So könne die Zweckentfremdung von Geldern verhindert werden. Dann stellte er einige Beispiele für erfolgreiches Crowdfunding detaillierter vor: Die bekannte Rockgruppe Alica habe beispielsweise 11 Millionen Rubel für die Produktion ihrer neuen Platte gesammelt. In der Stadt Kirowa hätten engagierte Bürger über eine Crowdfunding-Kampagne den Bau einer lange geforderten Ampel erreichen können. Für die Bevölkerung sei dies auch ein wichtiges Aha-Erlebnis gewesen: „Wir sind in der Lage, unsere Stadt besser zu machen.“