Soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen

Ruben Vardanian, Berater des Präsidenten der größten osteuropäischen Bank „Sberbank“ und einer der bedeutendsten Investmentbanker Russlands, machte deutlich, dass eine umfassende Wahrnehmung ökonomischer und sozialer Verantwortung von Unternehmen nur gelänge, wenn die Politik in Russland die Voraussetzungen für längerfristige Planungshorizonte und damit nachhaltiges Wirtschaften schafft. Noch immer handelten Geschäftsleute nach dem Prinzip „nach uns die Sintflut“, statt Unternehmen für die nächsten 20 bis 30 Jahre solide aufzustellen – eine Fehlentwicklung, die auch am enormen Kapitalabfluss aus Russland erkennbar sei. Es gelte, Vertrauen herzustellen – in den Staat, seine Institutionen, in Gesellschaft und Wirtschaft. „Dabei kommt es maßgeblich auf Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und der Ausbildung einer neuen, verantwortungsbewussten Elite an“, betonte Vardanian.

Wie gut soziale und ökologische Verantwortung im deutschen Mittelstand gelebt werden, zeigte der Familienunternehmer Wolfgang Schmalz eindrucksvoll auf. So werden die Mitarbeiter in hohem Maße in die Gestaltung von Prozessen und unternehmerische Entscheidungen eingebunden, Zeitkonten gewährleisten ein hohes Maß an Flexibilität, Mitarbeiter werden am Gewinn des Unternehmens beteiligt. Zudem verfolgt der Unternehmer Schmalz zusammen mit seinem Bruder eine offensive ökologische Strategie. Das Unternehmen erzeugt mehr Energie aus regenerativen Quellen als es selbst verbraucht und ist damit absolut energieautark. „Wir sind ein familiengeführter Betrieb, denken und handeln also nicht in Quartalen. Wir legen bei unseren ökologischen Aktivitäten aber durchaus Wert auf Wirtschaftlichkeit. Und über längere Zeiträume rechnet sich das Ganze in jedem Fall“, so Schmalz.

Mit welchem Anspruch und in welcher Größenordnung ein russischer Konzern soziale Aktivitäten umsetzen kann, darüber berichtete Natalia Poppel, Head of CSR Department des Metallurgiekonzerns Severstal. Allein im Jahr 2012 hat Severstal 80 Millionen US-Dollar für soziale Projekte aufgewendet: Investitionen in Mitarbeiterfortbildung und medizinische Versorgung, aber auch in die Bereitstellung von Wohnraum, die Kinder- und Familienförderung oder – auf regionaler Ebene – in die Reintegration von Waisenkindern. Mit Blick auf diese Tätigkeiten sagte Poppel: „CSR (Corporate Social Responsibility) in Russland deckt oft Aufgaben ab, die in Deutschland traditionellerweise der Sozialstaat übernimmt.“