Mittelstand & Innovation

Die mittelständische Wirtschaft ist ein wichtiger Grundpfeiler des deutschen Arbeitsmarktes und macht Deutschland nach den weitaus bevölkerungsreicheren Ländern China und den USA zum weltweit wichtigsten Exportland. Mittelständische Unternehmen bestimmen auch den Kern der Innovationskultur und sind Treiber von Innovationen.

„Viele kleine Schritte führen zum Erfolg, nicht die großen, kapitalintensiven Maßnahmen“, so beschreibt Georg Graf Waldersee, Vorsitzender der Geschäftsführung der Ernst & Young GmbH, das Innovationsverhalten der mittelständischen Wirtschaft. Bei der kontinuierlichen Fortentwicklung von Kernkompetenzen denke und agiere der Mittelstand nachhaltiger als Großunternehmen. Dies lasse sich auch an den Patentanmeldungen pro Mitarbeiter ablesen, dessen individueller Wert bei kleinen und mittelständischen Unternehmen deutlich höher ist als bei großen Unternehmen.

Mit klarer Fokussierung und Fortentwicklung ihrer Kernkompetenz sowie Ausrichtung der von ihnen angebotenen Lösungen am Marktbedarf besetzen kleine oder mittelständische Unternehmen aus Deutschland erfolgreich internationale Marktnischen und sind nicht selten Marktführer. Jeder zweite sogenannte Hidden Champions kommt aus Deutschland.

Wie erfolgreiches Innovationsmanagement in mittelständischen Unternehmen aussieht, darüber berichtete aus erster Hand Ulrich Dietz, Vorsitzender des Vorstands der GFT Technologies AG.

Der Unternehmer machte deutlich, dass Zeit und Durchhaltevermögen wesentliche Erfolgsfaktoren im Innovationsprozess sind. „Nicht der erste Wurf gelingt, meist erst die zweite oder dritte Ableitung“, so Dietz. Spezialisierte Unternehmen erreichten ihre marktfähige Innovationskraft erst nach 10 bis 15 Jahren.

„Wenn man vorne dabei sein will, innovativ sein will, muss man auch bereit sein, zu scheitern“, betonte der Gründer eines Unternehmens für innovative IT-Lösungen und -Dienstleistungen. Neben dem Mut, Wege auch dann zu beschreiten, wenn sie noch nicht zu 100-prozentig überschaubar sind, zeichnet sich nach Dietz eine gute Innovationskultur im Unternehmen auch dadurch aus, dass die Führungskräfte die Mitarbeiter für neue Ideen begeistern, das Controlling in die Fortentwicklung innovativer Ansätze eingebunden ist, anfänglich nur kleine Teams aufgesetzt, auf Experten-Plattformen aktuelle Trends erkannt werden und man bei deren Weiterentwicklung eine hohe Vernetzungsbereitschaft zeigt.

Ob Sonderwirtschaftszonen ein geeignetes Instrument sind, um in Russland Investitionen in Zukunftsbranchen und eine Innovationskultur zu befördern, darüber diskutierten die Teilnehmer anschließend mit Rustam Tapaev, Abteilungsleiter für internationale Zusammenarbeit der Verwaltung der russischen Sonderwirtschaftszonen. Die Seminarteilnehmer waren größtenteils der Ansicht, dass die staatlichen Strukturen der Sonderwirtschaftszonen als Übergangsprojekt angesehen werden sollten und man hierüber schnell zur Entwicklung von Clustern innovativer Unternehmen kommen sollte. Denn staatliche Strukturen seien oftmals zu langsam für Innovationsprozesse und staatliche Einflussnahme hemme den Innovationsprozess. Dies gelte aber nicht nur in Russland, sondern weltweit.