Energie

EU-Kommissar Günther Oettinger diskutierte mit den Seminarteilnehmern die Rolle Russlands für die europäische Energieversorgung. Europa folge einer Strategie der Diversifikation der Energiequellen und befinde sich mitten in einem spannenden Prozess. Trotz Ausbaus der erneuerbaren Energien und der zunehmenden Nutzung von Schiefergas sei die Zusammenarbeit mit Russland im Energiebereich aber weiterhin von hoher Bedeutung. „Die langjährige Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Russland wollen wir fortführen und erhalten, auch wenn sie nicht konfliktfrei ist, da eine machtstrategische und kulturelle Differenz besteht“, so Oettinger.

Dr. Peter Heinacher, Leiter des Bereichs Public Affairs / Energiepolitik der RWE AG, schilderte verschiedene Facetten der Energiewende: den gekoppelten Energiemarkt in Nord- und Westeuropa, die zunehmende Elektrifizierung, den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Rolle der Gaskraftwerke als Reserve, den Wandel vieler Kunden zu Produzenten, sinkende Dividenden. „Was wir brauchen, um diese große Herausforderungen zu bewältigen, ist mehr Europa, eine stärkere marktwirtschaftliche Herangehensweise und mehr systemisches Denken“, so Heinacher.

Welche Konsequenzen eine umfangreiche Nutzung des Frackings für die Preisentwicklung bei Erdgas und Erdöl und die internationalen Energiebeziehungen haben könnte, darüber diskutierten die Seminarteilnehmer mit Prof. Dr. Leonid Grigoriev, Higher School of Economics in Moskau, und Joachim Pünnel, Vice President Wintershall Business Unit Deutschland.

„Wir brauchen eine Energiepolitik, welche die Interessen des jeweiligen Landes berücksichtigt und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie nicht gefährdet“, so der russische Wirtschaftsexperte. Fracking könnte hierbei für einige Länder ein passendes Konzept sein, einen baldigen, globalen Durchbruch der neuen Fördermethoden sah Grigoriev aber mit Skepsis.

Pünnel betonte die deutlichen Unterschiede in der Bewertung und gesellschaftlichen Akzeptanz des Frackings. Während die unkonventionelle Gasförderung in den USA mit Hoffnungen auf planbare Energieversorgung sowie Ressourcenunabhängigkeit verbunden wird, stößt Fracking in Deutschland auf Ablehnung. „Gegenüber industriellen Großprojekten ist die Öffentlichkeit in Deutschland kritischer geworden“, so Pünnel.