Abkehr von traditionellen Formen – Modernisierung in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und einer der renommiertesten Vordenker des deutschen Liberalismus, diskutierte mit den Seminarteilnehmern die Frage, ob die Wachstumsökonomie dauerhaft zukunftsfähig ist.

„Richtig verstanden, ist Wachstum in einer modernen Gesellschaft unabdingbar“, betonte Paqué. Es komme entscheidend darauf an, Wachstum nicht rein quantitativ zu verstehen. Vielmehr gehe es um qualitatives, nachhaltiges Produktionswachstum. Die Wirtschaft sei daher keinesfalls der „Massenhersteller von immer mehr eintöniger Kost“, sie sei vielmehr Begleiter eines tiefgreifenden Wandels der Werte und vor allem der Produzent neuen Wissens. Paqué: „Der Verzicht auf Wachstum ist eine abwegige Forderung. Anderenfalls würden wir auf Wertewandel und Umsetzung neuen Wissens verzichten.“

Der durch steigenden Wohlstand auch in Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzende Wertewandel bietet, laut Paqué, die Chance, auch globale Fragen wie den Klimaschutz zu lösen. Gleichzeitig warnte er: „Die Transformation der globalen Wirtschaft kann man nicht mit der Brechstange erzwingen“. Erst wenn Entwicklungs- und Schwellenländer die am meisten drängenden gesellschaftlichen Probleme gelöst hätten, rücke die Ökologie in der politischen Priorität nach vorn. Dies kann nach Ansicht des Experten bei den hohen Wachstumsgeschwindigkeiten der BRICS-Länder aber bereits in einer Generation der Fall sein.