Die deutsch-russische Energiepartnerschaft

In der zweiten Hälfte des zweiten Seminartages diskutierten die Seminarteilnehmer mit Hans-Joachim Gornig, Geschäftsführer von Gazprom Germania, und Dr. Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der Wintershall Holding AG, über die Energiebeziehungen zwischen Deutschland und Russland. Gornig nannte in diesem Zusammenhang die Warnungen in den europäischen Medien vor einer wachsenden Abhängigkeit vor russischen Energieimporten als unbegründet. Die Abhängigkeit sei in Wahrheit gegenseitig und auf der russischen Seite noch viel gravierender. „Nur wenige wissen, dass Russland über 80 Prozent seiner Gasexporte nach Europa liefert und dass das Abhängigkeitsverhältnis numerisch sogar zugunsten der EU ausfällt, da diese „nur“ knapp 25 Prozent ihres Gasverbrauchs durch russische Importe deckt“, erläuterte Gornig. Zudem stünden die Gasexporte insgesamt für 20 Prozent des russischen Haushalts. Der Energie-Experte erinnerte daran, dass es selbst in Zeiten des Kalten Krieges und der Sowjetunion zu keinen Lieferunterbrechungen nach Deutschland gekommen sei. Um insgesamt eine hohe Energiesicherheit zu erlangen, sei eine Diversifizierung der Lieferwege sowie der Abnehmer- und Lieferantenbeziehungen wünschenswert. Wichtig sei in diesem Zusammenhang die Ostsee-Pipeline Nord Stream. Durch sie könnten allein deutsche Firmen mit Aufträgen in Milliarden-Höhe rechnen.

Dr. Rainer Seele forderte die EU dazu auf, sich stärker zu Russland zu bekennen. Gegen die Nabucco-Pipeline, die Russland umgehen und Gas aus dem Kaspischen Raum nach Mitteleuropa transportieren soll, sei im Grunde nichts einzuwenden. Es dürfe aber keine Diskriminierung von Russland geben. „Man darf bei den Förderkriterien nicht sagen, förderungswürdig sind nur Pipelines, durch die kein russisches Gas fließt.“ Erdgas komme aufgrund seiner besseren Umwelteigenschaften gegenüber Kohle und Öl noch auf Jahrzehnte eine Brückenfunktion zu, bis erneuerbare Energiequellen in ausreichendem Maße entwickelt seien. Darin waren sich Gornig und Seele einig. Die Nachfrage nach Gas werde daher in Europa weiter steigen. „Das größte Lieferpotenzial zur Bedienung des zukünftigen Bedarfs hat Russland“, betonte Seele. Hier gebe es eindeutig eine „Win-Win-Partnerschaft“, die auf komplementäre Interessen gegründet, aber auf gegenseitigen Respekt und eine entsprechende politische Flankierung angewiesen sei.