Gespräche 2009

Zeit für neues Denken

Junge Führungskräfte diskutieren bei den 2. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden über gemeinsame Wege aus der Wirtschaftskrise

Vom 12. bis 18. Oktober 2009 trafen sich 26 junge Führungskräfte aus Deutschland und Russland zu den 2. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden. Das Intensivseminar im Palais Biron unweit der berühmten Lichtentaler Allee wurde vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt durchgeführt.
Baden-Baden ist seit Jahrzehnten eine der ersten Adressen der deutschen Wirtschaft: Die Baden-Badener Unternehmergespräche, zu denen sich zweimal jährlich der deutsche Managernachwuchs im Palais Biron trifft, genießen einen legendären Ruf. Außerdem sind die Wege aus Baden-Baden nach Russland kurz. Namen wie Turgenjew, Dostojewskij oder Rachmaninow sind eng mit der Kurstadt verbunden. Heute lebt hier eine große russische Gemeinde. Da lag es nahe, an den genius loci anzuknüpfen und das Baden-Badener Palais Biron für ein Intensivseminar junger Führungskräfte aus deutschen und russischen Unternehmen auszuwählen.

Mit Innovationen aus der Krise

„Innovationen als Weg aus der Krise?“ – diese Leitfrage stand über dem Programm für die sechs Seminartage. Neben einer Analyse der Krisen-Ursachen gab es Diskussionsrunden über die Bedeutung des Mittelstands, den Wettbewerb um die besten Köpfe und die möglichen sozialen Folgen der Krise. Eine wichtige Rolle spielte auch die Frage nach der sozialen und ökologischen Verantwortung von Unternehmern in den jeweiligen Gesellschaften. Die Diskussionsimpulse lieferten hochkarätige Referenten aus beiden Ländern.

Eröffnet wurden die Gespräche am Abend des 12. Oktober 2009 mit einem Referat von Prof. Dr. Igor Yurgens. Der Vorstandsvorsitzende des Moskauer Instituts für moderne Entwicklung gehört zu den wichtigsten Beratern des russischen Präsidenten Medwedew. Yurgens forderte als Reaktion auf die Wirtschaftskrise ein völlig neues Denken in seinem Land. Bislang sei Russlands Wirtschaft zu sehr vom Rohstoffexport abhängig und durch eine staatliche „Steuerung von Hand“ geprägt. Nötig sei „die Schrumpfung des staatlichen Sektors, die Ausweitung des Wettbewerbs und die Reformierung von Monopolen.“ Die Modernisierung des Landes müsse ins Interessenfeld aller Eliten in Russland rücken, sonst drohe internationale Zweitklassigkeit.

An den weiteren Seminartagen standen den Teilnehmern deutsche und russische Top-Manager, Unternehmerpersönlichkeiten und Wissenschaftler als Gesprächspartner zur Verfügung. Darunter waren von russischer Seite beispielsweise der Unternehmer Alexander Lebedev, Dr. Tatiana Maleva, Direktorin des Unabhängigen Instituts für Sozialpolitik, Oleg Alekseev, Vorstandsmitglied der Renova-Gruppe Moskau, Vitalij Yusufov, Eigentümer der Nordic Yards AG, und Prof. Dr. Andrej Zverev, Leiter des Handels- und Wirtschaftsbüros der russischen Botschaft in Berlin. Von deutscher Seite beteiligten sich an dem Seminar unter anderem Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen, BASF-Vorstandsmitglied Hans-Ulrich Engel, Hans-Joachim Gornig, Geschäftsführer von Gazprom Germania, Dr. Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der Wintershall Holding AG, Dr. Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der Festo AG und Georg Graf Waldersee, Vorstandsmitglied von Ernst&Young.

Die 26 jungen Führungskräfte im Alter von 30 bis 45 Jahren, die in Baden Baden dabei waren, wurden von ihren Unternehmen als Seminarteilnehmer nominiert. Bei der endgültigen Auswahl spielten fachliche und soziale Kompetenz eine wichtige Rolle. Bereits im Vorfeld der Gespräche hatten sich die Teilnehmer an der Zusammenstellung von Arbeitsgruppen beteiligt, in denen sie dann vor Ort Fachfragen vertieft diskutierten.

Dass das Treffen in Baden-Baden ein voller Erfolg war, zeigen die Reaktionen der Teilnehmer. Michail Gribov, Assistent des Generaldirektors von Knauf Service in Krasnogorsk, sprach von einer „hervorragenden Austauschplattform“. „Es gibt wenige Gelegenheiten, bei denen deutsche und russische Manager zusammenkommen, per Du sind, offen sprechen können und dazu durch Vorträge Anregungen bekommen. Die Woche hier hat die Teilnehmer mental zusammengebracht.“ Ähnlich äußerte sich Christian Kremer, General Manager von BMW Russland: „Die Gespräche in Baden-Baden sind eine gute Plattform, um eine Verbesserung der gesamten Kommunikation zwischen Deutschland und Russland herbeizuführen und um insbesondere auch aus deutscher Sicht mit einigen Stereotypen aufzuräumen.“

Wie im vergangenen Jahr wurde das intensive Arbeitspensum im Palais Biron durch ein Rahmenprogramm ergänzt. Unter anderem gab es eine Exkursion in den Schwarzwald zum „Networking in Nature“ und einen Besuch der Badischen Stahlwerke in Kehl – auf Einladung von Horst Weitzmann, Besitzer des Stahlwerks und eine der beeindruckendsten Unternehmerpersönlichkeiten des deutschen Südwestens.

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