Thema: Gesellschaftspolitische Verantwortung von Unternehmen

Die Frage nach der gesellschaftspolitischen Verantwortung von Unternehmen – und damit auch der jeweiligen Führungskräfte – stellte ein zentrales Themenfeld der Deutsch-Russi­schen Gespräche Baden-Baden dar. Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung GmbH, nannte die Struktur der Robert Bosch Stiftung als Beispiel für gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und präsentierte die Philosophie des Unterneh­mens als „Anregung für Russland“.

Um als Stiftung Eliten wie junge Führungskräfte zu fördern, bedürfe es in Deutschland einer besonderen Rechtfertigung. Die Idee einer solchen Gesprächswoche sei diejenige, dass die Hebelwirkung bei einer solchen Zielgruppe enorm groß sei, erklärt Markus Hipp, Geschäftsführender Vorstand der BMW Stiftung Herbert Quandt. „Wir wollen euch heute einen Hebel zeigen, wie Menschen mit beruflichem Erfolg, mit Netzwerken und Kompetenzen in kleinen Schritten anfangen können, etwas zu bewirken“, sagte er.

Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Würth-Gruppe, verkörpert diese Idee. Anstatt sein Familienunternehmen an die nächste Generation zu übergeben, hatte er es 1987 in eine eigene Stiftung eingebracht. Und auch in Russland entwickeln sich in den vergangenen Jahren zunehmend philanthropische Ansätze. Doch die rechtlichen Rahmenbedingungen gehen noch nicht weit genug, um die Philanthropie nachhaltig zu unterstützen. Natalya Kaminarskaya, Geschäftsführerin des Russia Donors Forum, unterstrich: „Die Philanthropie entwickelt sich trotz und nicht dank der Gesetzeslage.“ Bis heute gebe es noch keinerlei steuerrechtliche Vergünstigungen für Unternehmen, Stiftungen zu gründen. Außerdem vertraue die russische Gesellschaft den Unternehmen nicht. Die Finanzkrise sieht Kaminarskaya auch als Schlüsselkrise für die Weiterentwicklung der Philanthropie, denn langfristig würden Unternehmen nun wahrscheinlich die Spendengelder kürzen.

Neben der Stiftungsarbeit gibt es weitere Möglichkeiten für Unternehmen, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Eine davon ist das Konzept der Corporate Social Responsibility und des Social Entrepreneurship. Beispiele wie der Nobelpreisträger Muhammed Yunus aus Indien zeigen, dass soziale Verantwortung einem unternehmerischen Ansatz nicht entgegensteht. „Man kann mit sozialen Entrepreneuren neue Kunden gewinnen, wenn man für arme Menschen die Grundlagen des Wirtschaftens schafft“, erklärte Mirjam Schöning, Direktorin der Schwab Foundation for Social Entrepreneurship. In Russland sei ein solches Handeln jedoch erst in den Anfängen erkennbar.

Zum Ausklang der Seminarwoche besuchten die Teilnehmer der Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden das Museum Frieder Burda. Der Unternehmer und Kunstsammler Frieder Burda hatte 1998 die gemeinnützige Stiftung zur Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft gegründet und in Baden-Baden ein Museum für moderne Kunst verwirklicht. Diese Sammlung belebt den Kulturbetrieb der Stadt nachhaltig und setzt durch die Zusammenarbeit mit der staatlichen Kunsthalle neue Impulse. Bei einem anschließenden Spaziergang konnten sich die Teilnehmer der Deutsch-Russischen Gesprächswoche über ihre Eindrücke aus den vergangenen Tagen austauschen.