Thema: Finanzen

Bereits zu Beginn der Deutsch-Russischen Gespräche beschäftigte die internationale Finanzkrise die Diskussionen der Teilnehmer. Doch aus den gemeinsamen Sorgen entwickelten sich ein Wir-Gefühl und die Erkenntnis, dass Russland eng mit der internationalen Finanzwelt verflochten ist. Umso interessanter war es, den Vergleich zwischen der russischen und deutschen Situation zu ziehen.

Droht in Folge der Finanzkrise ein neuer Protektionismus? Diese Frage sei durchaus berechtigt, denn in beiden Ländern wurden gesetzliche Regelungen erlassen, die ausländische Investitionen deutlich einschränken können. Im Vergleich zeige sich aber, dass das russische Gesetz deutlich stärkere Reglementierungen und Beschränkungen beinhalte, erklärte Vladimir Matvejev, Leiter des Handels- und Wirtschaftsbüros der Botschaft der Russischen Föderation.

Karl Wendling aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie betonte: Deutschland bleibe mit dem neuen Gesetz sehr vorsichtig und habe bislang nur sehr zurückhaltend von der Kontrolle ausländischer Investitionen Gebrauch gemacht. Besonders die in den Medien aufgeworfenen Befürchtungen vor Investitionen ausländischer Staatsfonds seien in Deutschland nicht angemessen. Immerhin hätten sich die viel gescholtenen Staatsfonds als Rettungsanker in der Krise erwiesen. Gemeinsame Aufgabe der Wirtschaft und der Regierung sei es, im Ausland auf den tatsächlichen Inhalt der deutschen Gesetze hinzuweisen, appellierte Wendling. Die deutsche Regelung sei ein gemäßigtes Mittel, welches nicht gegen Staatsfonds gerichtet sei.

Jenseits der Finanzkrise zeige der Finanzplatz Russland jedenfalls große Chancen und Potenziale. Der russische Bankensektor entwickele sich solide, erläuterte Dr. Theodor Weimer, Head of Global Investment Banking UniCredit Markets & Investment Banking der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG. Dennoch gebe es auch Hindernisse auf dem russischen Finanzmarkt: die Dominanz der großen Banken, undurchsichtige Eigentümer- und Geschäftsverhältnisse sowie die Vielzahl kleiner Banken, deren Zweck nicht eindeutig erkennbar sei.

Aus jeder Krise ergeben sich auch Chancen. Sergej Vasilyev, stellvertretender Präsident der russischen Bank für Entwicklung und Außenwirtschaft, hofft auf eine stärkere Integration nach der Krise. Denn langfristig trage die momentane Finanzkrise zu einer Konsolidierung des Bankensektors bei. Alexander Vedev, Direktor des Center for Strategic Investigations der Bank of Moscow, hielt die kurzfristigen Finanzspritzen des Staates für ein unzureichendes Mittel, um der Krise zu begegnen. „Diese Krise ist eine Strukturkrise. Wir können nicht im selben Tempo weiterwachsen“, warnte er. Auch Erik Berglöf, Chief Economist der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bekräftigte diese Haltung.

Eine Schlussfolgerung lässt sich bereits jetzt aus der Krise ziehen: Nachhaltigkeit und Sustainability Investments werden zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Am Beispiel einer virtuellen Flugreise um die Welt erklärte Reto Ringger, Chief Executive Officer der SAM Group, wie sich nachhaltiges Wirtschaften langfristig auszahle. Die Krise sei vor allem darauf zurückzuführen, dass man nicht nachhaltig gehandelt habe, warnte er. Klimathemen wie Wasserknappheit, Nahrungsmittel und alternative Energien erwiesen sich seiner Meinung nach „unternehmerisch als globale Chancen und Märkte.“ Die Krise führe dazu, dass solche Investitionen später getätigt werden. „Dabei wäre es klug von der Menschheit, heute in diese Technologien zu investieren“, erklärte Ringger.