Thema: Energie

Die Energiezusammenarbeit bildete bereits in der Vergangenheit das Fundament der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Seit die ersten deutschen Röhren vor 35 Jahren nach Russland geliefert wurden, schweißt sie die beiden Länder in ihren Grundbedürfnissen zusammen. Dr. Jochen Weise, Mitglied des Vorstands von E.ON Ruhrgas, konnte aus eigener Erfahrung berichten, an welch langjährige und krisengeprüfte Energiebeziehungen Deutschland und Russland anknüpfen. Sein Resümee: „Trotz größter politischer Krisen sind wir immer gut mit Gasprom und Russland klar gekommen.“

Diese guten Beziehungen zwischen deutschen und russischen Energiekonzernen wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sogar intensiviert und stabilisiert. Im Jahr 1998 hatte E.ON eine Beteiligung an Gasprom beschlossen, als sich der russische Staat aufgrund der Rubelkrise in einer schwierigen Situation befand. Dadurch sei Gasprom in der Lage gewesen, Pensionen an die Angestellten weiter auszubezahlen, betonte Weise. Auch die jüngste Geschichte zeige, dass in guten wie in schlechten Zeiten beide Länder gleichermaßen von der deutsch-russischen Energiezusammenarbeit profitieren.

In Anbetracht der zunehmenden Nachfrage nach fossilen Brennstoffen gebe es keine Alternativen zu einer engen Energie-Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland, betonte Dr. h.c. Eggert Voscherau, ehemaliges Mitglied des Vorstands von BASF und Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie in Wiesbaden. Nur gemeinsam könnten die beiden Länder neue Energieressourcen erschließen und Investitionen in Leitungen und Speicherkapazitäten tätigen.

Unter diesem Gesichtspunkt sei es verwunderlich, dass die deutschen Medien in ihrer Russland-Berichterstattung stets die Frage nach der Verlässlichkeit Russlands aufwerfen. Voscherau sah darin ein gravierendes Problem, das die deutsch-russische Partnerschaft langfristig belasten könnte. „Wir erwarten von den Russen viel: nämlich tolerant damit umzugehen, dass wir nach 40 Jahren ihre Verlässlichkeit in Frage stellen“, klagte er.

Dieses Problem tritt insbesondere im Hinblick auf die Ostseepipeline deutlich zutage. Die deutschen Medien stellen das Projekt immer wieder mit dem Argument in Frage, dass sich Deutschland von Russland nicht zu stark abhängig machen dürfe. Es wird die Angst geschürt, dass Gasprom auch Deutschland in politischen Krisenzeiten den Hahn zudrehen könnte, ähnlich wie im Gebühren-Streit mit der Ukraine und Weißrussland. Der aktuelle Konflikt zwischen Russland und Georgien hat diese Befürchtungen weiter verstärkt. Man müsse deshalb zu einer objektiven Berichterstattung und Beurteilung kommen, waren sich die Teilnehmer einig. Voscheraus Appell lautete: „Jeder von Ihnen kann darauf hinwirken, dass wir Befriedung durch Einbindung und nicht Konflikt durch Ausgrenzung zur Grundlage der Beziehungen zu Russland machen!“

Die Teilnehmer gaben außerdem zu bedenken, dass die Ostseepipeline nicht allein ein deutsch-russisches Projekt sei, sondern ein europäisches. Um das Stigma eines deutsch-russischen Alleingangs in der politischen Debatte loszuwerden, müsse die deutsche Regierung in ihrer Mittlerrolle zwischen Europa und Russland verschiedene nationale Interessen orchestrieren, wurde in der Diskussion gefordert.

Als Beweis dafür, dass die Ostseepipeline ein europäisches Projekt ist, diente ein Blick hinter die Kulissen der Nordstream AG. Mit 130 Mitarbeitern aus 17 Nationen spiegle sich die Globalisierung innerhalb der Mitarbeiterschaft wider, veranschaulichte Matthias Warnig, Geschäftsführer der Nordstream AG. „Das ist einzigartig in Europa“, unterstrich er. Es sei aber auch eine Herausforderung, aus Mitarbeitern verschiedener Kulturen und Sprachen ein Team zu formen. Seine Erfahrung habe gezeigt: „Was uns verbindet, ist immer ein gemeinsames Ziel.“